Spastik

Was ist Spastizität?

Spastizität ist eine nicht kontrollierbare Muskelverkrampfung im Arm oder Bein, die Schmerzen verursachen kann und die normale Bewegung behindert. Es ist eine typische Reaktion nach Läsionen des Zentralnervensystems, wie z. B. nach einem Schlaganfall. Es fehlen im Rückenmark Nervenverbindungen vom Gehirn, das Rückenmark verselbstständigt sich und aktiviert die Muskeln ohne Ansteuerungsimpulse des Gehirns. Spastik geht meist mit zusätzlicher Schwäche einher. Die Spastik bildet sich häufig schlecht oder gar nicht zurück. Die Spastik nach Schlaganfall tritt häufiger im Arm als im Bein auf. Spastik ist beim Schlaganfallpatienten typischerweise mit einem gebeugten Ellenbogen und einem gegen die Brust gepressten Arm sowie gebogener Hand verbunden. Spastizität in den Beinen geht normalerweise mit einem versteiften Bein und einem Spitzfuß einher. Bei einer Querschnittlähmung im Brustbereich ist die Spastik dagegen nur in den Beinen, bei einer Querschnittlähmung im oberen Halswirbelsäulenbereich auch in den Armen vorhanden

Was sind weitere Symptome der Spastik?

Eine Reihe von Symptomen können mit der Spastik zusammen auftreten:

Steifheit

Spastik verursacht eine erhöhte Muskelsteifheit (Muskeltonus), die sich durch Bewegungen des Armes von außen, z. B. auch im Rahmen der Physiotherapie besonders zeigt. Steifheit (Tonuserhöhung) kann zusätzlich zur Lähmung die Kontrolle des Armes, der Finger oder auch das Gehen behindern. Bei manchen Patienten kann die Steifheit die Schwäche sozusagen als "Krücke" kompensieren. Bei solchen Patienten wäre die medikamentöse Verminderung der spastisch bedingten Steifheit nicht sinnvoll.

Schmerzen

Länger anhaltende spastische Muskelverkrampfungen können schmerzhaft sein, ausgelöst durch einfache Bewegungen, Hautreize oder durch eine volle oder entzündete Blase.

Klonus

Unter Klonus versteht man eine Serie unwillkürlicher stärkerer rhythmischer (ca. 3 / Sekunde) Muskelzuckungen mit zwischenzeitlicher Entspannung der Muskeln.

Wie kann man Spastik behandeln?

Die Behandlung der Spastik ist schwierig und erfordert eine Kombination verschiedener Verfahren:

Muskeldehnung und Physiotherapie

Täglich sollten mindestens 1-2mal die Gelenke soweit bewegt werden, dass sie ihren vollen Bewegungsumfang behalten und nicht auf Dauer eine Muskelverkürzung (Kontraktur) entsteht. Regelmäßige Dehnung kann Muskelverkürzungen entgegenwirken und die Muskelsteifigkeit für Stunden senken. Gelegentlich werden Gipse oder Schienen für eine gewisse Zeit angelegt, um den Bewegungsumfang bei spastischen Gliedmaßen wieder zu verbessern. Kälteanwendungen oder Lokalanästhetika können vorübergehend die spastische Tonuserhöhung vermindern.

Medikamente

Baclofen (Lioresal®)

Baclofen vermindert die Muskelspastizität durch Hemmung des sog. Dehnungsreflexes aufgrund der Verminderung von Flexorspasmen (Spasmen der Beuger). In hohen Dosen können Verwirrtheitszustände, Müdigkeit, Muskelschwäche, eine verminderte Muskelkoordination und auch Schwäche in nicht betroffenen Muskeln auftreten.

Tizanidin (Sirdalud®)

Tizanidin wird als ähnlich wirksam angesehen wie Baclofen. Zusätzlich soll es die durch Hautberührung ausgelösten Spasmen noch spezifischer unterdrücken als Baclofen. Als Nebenwirkungen treten Blutdrucksenkung, Müdigkeit und Mundtrockenheit auf.

Tolperison (Viveo®)

Tolperison wirkt sowohl zentral als auch peripher. Zentral soll die erhöhte Aktivität der Nervenimpulse auf ein niedrigeres Niveau gesenkt werden. Auf der peripheren Ebene entfaltet es seine Wirkung direkt an den Membranen der Nervenzellen durch Blockade des Natriumeinstroms in die Nervenzelle. Wesentliche Nebenwirkungen bestehen nur in Übelkeit / Erbrechen.

Dantamacrin (Dantrolen®)

Dantamacrin schwächt spastische Muskeln und hat eher einen geringeren Effekt auf die normale Muskulatur. Weil es die Übertragungseigenschaften der Nervenzellen nicht beeinflusst, wirkt es hauptsächlich durch die Auslösung von Muskelschwäche. Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Übelkeit, Benommenheit, Durchfälle und Leberfunktionsstörungen.

Benzodiazepine und andere

Benzodiazepine (am bekanntesten Diazepam-Valium®) wie auch viele Mittel, die eigentlich bei Epilepsiepatienten eingesetzt werden, hemmen die Auswirkungen der spastischen Tonuserhöhung. Diese Substanzen haben daher ebenfalls eine Bedeutung in der Behandlung spastischer Syndrome. Ihre Effizienz ist schwer vorherzusagen, sie müssen im Einzelfall ebenso wie die anderen Präparate ausprobiert werden.

Nervenblockaden

Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das bei der Therapie der Spastik in minimaler Konzentration eingesetzt wird. Es blockiert die Übertragung der Nervenimpulse auf die Muskeln. Es kann gezielt nur in die Muskeln injiziert werden, die auch Symptome verursachen. Eine einzelne Injektion kann die Muskeln für 3-6 Monate schwächen, bevor der Effekt abklingt. Als Nebenwirkungen treten Schwellungen an der Injektionsstelle, übermäßige Muskelschwäche und Antikörperbildung gegen Botulinumtoxin auf. Alternativ können ähnliche Effekte auch mit Phenol, einem alkoholähnlichen Mittel erzielt werden. Im Gegensatz zur Behandlung mit Botulinumtoxin können diese Injektionen jedoch Schmerzen verursachen.

Applikation von Medikamenten in den Rückenmarkskanal

Baclofen lässt sich über eine Pumpe bei schwerbetroffenen Spastikpatienten auch in den Rückenmarkskanal injizieren. Die Pumpe wird dann unter die Haut implantiert. Bei schlaganfallbedingter Spastik ist diese Art der Behandlung jedoch kaum wirksam.