Rehabilitation nach Schlaganfall

Was kann nach einem Schlaganfall rehabilitiert werden?

Unter Rehabilitation versteht man alle Maßnahmen, die zur Wiedererlangung beeinträchtigter Funktionen nach ihrer Störung beitragen. Unter Neurorehabilitation versteht man gezielte Wiederherstellungsmaßnahmen aufgrund von Störungen des Nervensystems. Am bekanntesten ist Krankengymnastik oder Sprachtherapie. Durch eine neurologische Rehabilitation kann es innerhalb der ersten Monate nach einem Schlaganfall (Infarkt) in aller Regel zu einer wesentlichen Besserung der Symptome kommen. Nach 6 Monaten bis zu 1 Jahr sind die Erfolge bei der Rückbildung der Ausfälle geringer. Eine messbare Besserung nach 1 Jahr gibt es nur bei ganz wenigen Patienten. Dies gilt nicht gleichermaßen für Sprachstörungen.

Je nach Größe und Lokalisation der geschädigten Hirngebiete sind die zunächst bestehenden Funktionsausfälle unterschiedlich ausgeprägt. Je größer der anfängliche Ausfall, desto größer ist in der Regel das verbleibende Funktionsdefizit. Intakte Hirngebiete können in begrenztem Umfang die Funktion geschädigter Hirnregionen übernehmen. Diese Eigenschaft von Hirngewebe, neue Funktionen zu übernehmen, wird auch Plastizität genannt. Die neurologische Grundlagenforschung beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wo die Grenzen der Plastizität liegen und inwieweit man durch therapeutische Maßnahmen die Plastizität im Sinne der Verbesserung der Funktionsstörungen nutzen kann. Viele Erkenntnisse sind aus langjährigen Verlaufsbeobachtungen bisheriger Patienten bekannt: Rein einseitige Lähmungen haben eine bessere Prognose. Wenn gleichzeitig Sehstörungen, Sprachstörungen oder Gefühlsstörungen hinzutreten, ist die Prognose schlechter. Störungen der Sprache bei einem Schlaganfall können das Sprachverständnis, die Sprachproduktion oder auch beides betreffen. Im letzten Fall ist die Prognose ungünstiger. Ausfälle der Sehfunktionen bilden sich nicht so gut zurück wie die Schwäche einer Hand oder eines Beines, können aber therapiert werden.

Grundregeln der Rehabilitation nach Schlaganfall!

  • Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich erfolgen. Die Plastizität des Gehirns kann besonders in der Frühphase nach einem Schlaganfall ausgenutzt werden. Auf modernen Schlaganfallstationen beginnt eine Behandlung mit Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie schon in den ersten Tagen nach dem Infarkt. 50-80% der Schlaganfallpatienten können nach 3-6 Monaten wieder laufen.
  • Eine wesentliche Aufgabe der Rehabilitation ist die Vermeidung von Komplikationen. So können z. B. Verkürzungen der Muskulatur (Kontrakturen) durch regelmäßige Krankengymnastik verhindert werden.
  • Die effizienteste Behandlung besteht in einem systematischen Training der ausgefallenen Funktionen. Dies geschieht zunächst unter ärztlicher Anleitung durch Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, Pflegepersonal, Neuropsychologen und andere. Patienten mit schwereren Ausfällen sind besonders auf die Hilfe von Dritten angewiesen. Mit zunehmendem Heilungsverlauf muss die Eigeninitiative einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Wichtig ist, dass die Funktionsausfälle durch ständige Wiederholung der jeweiligen therapeutischen Übungen trainiert werden.
  • Von besonderer Bedeutung sind die eigene Motivation und der Eigenantrieb. Dies wird ganz wesentlich von der Stimmungslage geprägt. Bei einem großen Prozentsatz von Patienten mit Schlaganfall liegt eine Depression vor, zum einen bedingt durch die Krankheit selbst im Sinne einer reaktiven Depression, aber auch als Folge des Schlaganfalls. Durch gezielte medikamentöse Therapie kann die Stimmung wesentlich gebessert und der Rehabilitationserfolg beschleunigt werden.
  • Wichtig ist die Rehabilitation von gestörten sog. kognitiven Funktionen: In erster Linie handelt es sich hier um Sprachstörungen (Aphasien), aber auch um Gedächtnis- und Denkstörungen sowie Störungen des Lesens, Rechnens und Schreibens. Neben professionellem Training ist eine intensive Übung mit Angehörigen und Bekannten von besonderem Wert.
  • Eine spastische Lähmung lässt sich bis zu einem gewissen Grad medikamentös beeinflussen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Krankengymnastik.
  • Eine Blasen- und Stuhlentleerungsstörung kann erheblich zu einer Verminderung der Lebensqualität beitragen. Aufgabe der Neurorehabilitation ist es, durch kombinierte, medikamentöse, physikalische und gelegentlich chirurgische Therapie ein Optimum an Blasen- und Mastdarmfunktion wieder herzustellen.
  • Schluckstörungen sind von besonderer Bedeutung. Sie haben ihre Ursache in einer verminderten Bewegungsmöglichkeit von Lippen, Bakken, Zunge, Gaumen und Speiseröhre, aufgehobenem Schluckreflex und fehlerhafter Kehlkopffunktion. Diese zum Teil schwer zu behandelnden Störungen machen vielfältige Neurorehabilitationsmaßnahmen erforderlich.

Selbsthilfegruppen und Literatur

Schlaganfall: Gütersloher Wegweiser für Betroffene und Angehörige. Deutsche Schlaganfall-Stiftung, Carl-Bertelsmann-Straße 256, 33311 Gütersloh. Telefonisch auch Vermittlung von Selbsthilfegruppen vor Ort: 05241/97700.