Lumbalpunktion

Bei der Lumbalpunktion (Entnahme von Nervenwasser aus dem Lendenwirbelsäulenkanal) handelt es sich um eine für viele neurologische Diagnosen unerlässliche Untersuchung mit hoher Aussagekraft und sehr niedrigen Komplikationsraten.

Warum erfolgt die Untersuchung?

Um Gehirn und Rückenmark möglichst sicher vor Verletzungen durch Schädel- oder Körperprellungen zu schützen, sind beide "schwimmend" im Nervenwasser (Liquor) gelagert. Dieser unmittelbare Kontakt zwischen Zentralnervensystem und Nervenwasser führt dazu, dass sich viele krankhafte Veränderungen von Gehirn und Rückenmark im Nervenwasser widerspiegeln. Eine Hirnhautoder Hirnentzündung (Meningitis, Enzephalitis) äußert sich fast immer mit einer Vermehrung der weißen Blutkörperchen und anderen Eiweißveränderungen im Nervenwasser. Lebensnotwendig ist die Nervenwasseruntersuchung bei einer bakteriellen Hirnhautentzündung, um die betroffenen Bakterien nachzuweisen und das richtige Antibiotikum auswählen zu können. Wichtig ist die Nervenwasserentnahme aber auch bei Verdacht auf eine sog. Subarachnoidalblutung, bei der geplatzte Arterien lebensbedrohliche Blutungen in den Nervenwasserraum verursachen.

Wie erfolgt die Untersuchung?

Bei der Untersuchung sitzt der Patient oder liegt in Seitenlage. Entnommen werden wenige Milliliter Nervenwasser mit einer dünnen Punktionsnadel im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Die Nadel wird weitgehend schmerzfrei zwischen zwei Wirbelbögen in den Rückenmarkskanal eingeführt. Hier kann Nervenwasser gefahrlos entnommen werden, da das Rückenmark nur bis zur oberen Lendenwirbelsäule reicht und im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule keine Verletzungsgefahr mehr gegeben ist.

Welche Komplikationen treten auf

· Die Nervenwurzeln verlassen den Wirbelkanal jeweils zwischen zwei Wirbelkörpern. Gelegentlich berührt die Punktionsnadel eine dieser Wurzeln. Dies kann zu einem wenige Sekunden anhaltenden elektrisierenden Gefühl während der Punktion führen.

· Eine wesentliche Komplikation besteht im Auftreten eines postpunktionellen Syndroms. Hierbei handelt es sich um Kopfschmerzen, u. U. auch mit Übelkeit und Erbrechen und Rückenschmerzen über einige Tage, beginnend am Tag nach der Punktion. Diese beruhen darauf, dass sich die Punktionsstelle in der Rückenmarkshaut nach der Punktion nicht gleich verschließt und noch Liquor im Gewebe versickert. Durch den Liquorverlust kommt es zu einem sog. Unterdruckkopfschmerz, der nur in aufrechter Körperhaltung auftritt und sich im Liegen rasch zurückbildet. Durch Verwendung von dünnen und speziellen Punktionsnadeln lässt sich das Risiko auf unter 5% verringern. Der Unterdruckkopfschmerz tritt typischerweise erst am nächsten Tag auf und dauert in der Regel mehrere Tage an.
Übliche Schmerzmittel wirken nicht oder nur unzureichend gegen den Liquorunterdruckkopfschmerz. Therapie der Wahl sind Koffein oder Theophyllin. Koffein kann in Tablettenform verschrieben werden. Etwa 2 1/2 Tabletten cl 200 mg werden eingesetzt. Alternativ können auch etwa 7 Tassen mittelstarken Kaffees getrunken werden. In sehr seltenen Fällen, wenn sich das Punktionsloch in der Rückenmarkshaut nicht spontan verschließt, kann der Arzt eine Eigenblutinjektion zum Abdichten dieses Liquorlecks vornehmen.

· Sehr selten können sich durch den Liquorunterdruck auch vorübergehende Hörstörungen und Ohrgeräusche ausbilden. In diesen Fällen sollte in jedem Fall eine liegende Körperhaltung eingenommen werden und der behandelnde Arzt kontaktiert werden, da sich diese in sehr seltenen Fällen nicht vollständig zurückbilden. D Sehr selten kann es an der Punktionsstelle zu Infektionen kommen, die antibiotisch behandelt werden. Bei einem erhöhten Nervenwasserdruck kann es ebenfalls sehr selten zu Atem- und Kreislaufstörungen kommen. Risikopatienten für diese Komplikationen können jedoch heutzutage mit Hilfe einer Schichtuntersuchung des Gehirns mit Hilfe der Computeroder Kernspintomographie (Röntgen bzw. Magnetfelddarstellung) erkannt werden.

· Nachblutungen in den Rückenmarkskanal können insbesondere dann auftreten, wenn der Patient gerinnungshemmende Mittel einnimmt oder eine Bluterkrankung mit erhöhter Blutungsneigung vorliegt. Dies muss dem Arzt vor der Punktion mitgeteilt werden.

Kann der Patient zur Verhinderung von postpunktionellen Beschwerden beitragen?

Im Gegensatz zu früheren Ansichten reduziert eine liegende Körperposition nach der Punktion nicht die Häufigkeit eines postpunktionellen Syndroms. Auch hilft die Einnahme großer Flüssigkeitsmengen nicht. Der Patient kann sich also nach der Punktion normal verhalten und auch an weiteren Untersuchungen teilnehmen.

Translate