Zur Person

Prof. Dr. Andrea Antal

Gruppenleiterin

Robert-Koch-Strasse 40
37075 Göttingen

E-mail: AAntal@gwdg.de

Tel: 0049-551-398461

 

Extern induzierbare Neuroplastizität – sensorische Systeme

Neuronale Plastizität ist definiert als dauerhafte morphologische oder funktionelle Veränderung des Zustands des zentralen Nervensystems. Das Verständnis der biochemischen, physiologischen und anatomischen Grundlagen von Neuroplastizität ist eine der größten aktuellen wissenschaftlichen Herausforderungen der Hirnforschung, da sie von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis der Neurobiologie des Lernens und des Verhaltens sind.

Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe ist die Entwicklung neuer nicht-invasiver Hirnstimulationsmethoden, die physiologische Veränderungen im zentralen Nervensystem induzieren können, um Kognition und komplexe Informationsverarbeitungsmechanismen zu untersuchen. Transkranielle Wechselstromstimulation (tACS) und Rauschstromstimulation (tRNS) sind neue Methoden zur nichtinvasiven Beeinflussung kortikaler Erregbarkeit und Aktivität. tACS und tRNS erlauben aufgrund der oszillierenden Stimulation, im Gegensatz zur tDCS, die externe Interferenz mit kortikalen Oszillationen, die vor allem bei der temporären Verknüpfung kortikaler Areale entsprechend der sog. Bindungshypothese eine Rolle spielen. Neuronale Oszillationen sind im Gehirn mit der Verarbeitung sensorischer Informationen, Lernen, Kognition, Erregung, Aufmerksamkeit und pathologischen Zuständen (z.B. Parkinson, Tremor, Epilepsie) assoziiert. Deshalb ist die Modulation kortikaler Oszillationen eine wichtige Komponente zerebraler Plastizität. Wir konnten bereits zeigen, dass hochfrequente tRNS erregende kortikale Nacheffekte, vergleichbar mit denen der anodalen tDCS, erzeugen. In Bezug auf die Wirksamkeit scheint tRNS bei Krankheiten wie z.B. Depression und chronische Schmerzen, mindestens das gleiche therapeutische Potenzial zu zeigen wie repetitive TMS (rTMS) und tDCS.

Der zweite Forschungsschwerpunkt ist die Untersuchung der Modulierbarkeit von Schmerzwahrnehmung und Schmerzschwellen durch tDCS und theta-burst Stimulation (TBS) bei gesunden Probanden, Patienten mit chronischen Schmerzen und mit Migräne. Schmerz ist ein Schlüsselsymptom vieler neurologischer Erkrankungen. Systematische Studien zum Entstehungsmechanismus von Schmerz sind von großer Bedeutung für die Entwicklung verbesserter Behandlungsstrategien. tDCS als Methode zielt darauf ab, prolongierte neuronale Erregbarkeits- und Aktivitätsänderungen im menschlichen Gehirn über Veränderungen des neuronalen Membranpotentials hervorzurufen. Mit der transkraniellen Gleichstromstimulation steht ein potentielles Alternativverfahren zur Verfügung, das auf seine Eignung zur Schmerztherapie hin gegenwärtig überprüft wird. Eine kürzlich fertiggestellte Studie unserer Arbeitsgruppe hatte zum Resultat, dass erregbarkeitsvermindernde Gleichstromstimulation des primären motorischen Kortex sowie des somatosensorischen Kortex die akute Schmerzwahrnehmung vermindert. Bei Migräne konnten wir die erhöhte kortikale Erregbarkeit mit dem Verfahren der kathodalen tDCS zu reduzieren und so die Dauer einer Migräneattacke zu verringern. Dementsprechend hat tDCS beim Menschen ebenfalls ein viel versprechendes Potential in der Behandlung von Krankheiten, die auf Änderungen kortikaler Erregbarkeit beruhen.

Kurzgefasster Lebenslauf

Name: Prof. Dr. rer. nat. Andrea Antal
Geburtsdatum und -ort: 20.8.1967 in Jaszbereny, Ungarn
Staatsangehörigkeit: ungarisch

Wissenschaftlicher Werdegang

1985-1990: Biologiestudium an der Attila Jozsef Universität, Szeged, Ungarn, 1990: Diplom in Biologie

09/1990 - 05/1991 und 09/1992 - 06/1993: Wissenschaftliche Mitarbeiterin, József Attila Universität, Abteilung komparative Physiologie, Szeged, Ungarn; 1993: Promotion zur Dr. univ.

05/1991 - 08/1992: Research Assistant, Mount Sinai Medical Center, Department of Neurology, New York, U.S.A.

07/1993 - 06/1994: Research Associate, University of Nebraska Medical Center, Department of Internal Medicine, Division of Neurology, Omaha, U.S.A.

07/1994 - 10/1994: Research Associate, State University of New York, Health Science Center at Brooklyn, Department of Neurology, New York, U.S.A.

11/1994 - 01/2001:Assistent Professorin, Universität von Szeged, Medizinische Fakultät, Institut für Physiologie, Szeged, Ungarn

11/1997: Promotion zur Ph.D. (summa cum laude), Universität von Szeged, Medizinische Fakultät, Institut für Physiologie, Szeged, Ungarn

02/2001 bis heute: Wissenschaftliche Mitarbeiterin, jetzt Arbeitsgruppenleiterin, Georg-August-Universität Göttingen, Klinik für Klinische Neurophysiologie, Göttingen

05/2005:]Habilitation mit Erlangung der Venia legendi für ‚Kognitive Neurologie'; Universität Göttingen

Akademische Selbstverwaltung und sonstige Tätigkeiten

seit 2007:stellvertretendes Mitglied in der Zulassungskommission der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen für ausländische Studenten

seit 2008 : Assoziiertes Mitglied in der Göttinger Graduiertenschule für Neurowissenschaften und Molekulare Biowissenschaften (GGNB), in dem PhD Programm ‚Sensory and motor Neuroscience'

seit 2009:Mitglied des Programmskommittee in dem PhD Programm ‚Sensory and motor Neuroscience'

2008: Mitglied des Organisationskommittee von der Konferenz: Transcranial magnetic and direct current stimulation, Göttingen und Organisator des NWG Kurses „Transkranielle magnetische und Stromstimulation" in Göttingen (jährlich)

Zusammenfassung der wissenschaftlichen Leistung

Kumulativer Impakt Faktor (Januar 2010): ~ 245

Citations Index (Januar 2010): ~ 1100

H-Index: 18

Ausgewählte Publikationen

Csifcsak G, Nitsche MA, Baumgärtner U, Paulus W, Treede RD, Antal A. Electrophysiological correlates of reduced pain perception after theta-burst stimulation. Neuroreport. 2009;20:1051-5

 

Terney D, Chaieb L, Moliadze V, Antal A, Paulus W. Increasing human brain excitability by transcranial high frequency random noise stimulation. Journal of Neuroscience, 2008; 28:14147-55.

 

Kanai R, Chaieb L, Antal A, Walsch V, Paulus W. Frequency dependent electrical stimulation of visual cortex. Current Biology, 2008; 18:1839-43.

 

Antal A, Lang, N, Boros K, Nitsche M, Siebner HR, Paulus W. Hoemostatic metaplasticity of the motor cortex is altered during headache–free intervals in migraine with aura. Cerebral Cortex, 2008; 18:2701-5.

 

Antal A, Boros K, Poreisz C, Chaieb L, Terney D, Paulus W. Comparatively weak after-effects of transcranial alternating current stimulation (tACS) on cortical excitability in humans. Brain Stimulation, 2008; 1:97-105.

 

Terney D, Bergmann I, Poreisz C, Chaieb L, Boros K, Nitsche MA, Paulus W, Antal A. Pergolide increases the efficacy of cathodal direct current stimulation to reduce the amplitude of laser-evoked potentials in humans. Journal of Pain and Symptom Management, 2008; 36:79-91.

 

Poreisz C, Csifcsák G, Antal A, Levold M, Hillers F, Paulus W. Theta burst stimulation of the motor cortex reduces laser-evoked pain perception. Neuroreport, 2008; 19:193-6.

 

Poreisz C, Antal A, Boros K, Brepohl N, Csifcsak G, Paulus W. Attenuation of N2 amplitude of laser-evoked potentials by theta burst stimulation of primary somatosensory cortex. Experimental Brain Research, 2008; 185:611-21.

 

Antal A, Brepohl N, Poreisz C, Boros K, Csifcsak G, Paulus W. Transcranial direct current stimulation over somatosensory cortex decreases experimentally induced acute pain perception. Journal of Clinical Pain, 2008; 24:56-63.

 

Chadaide Z, Arlt S, Antal A, Nitsche MA, Lang N, Paulus V. Transcranial direct current stimulation reveals inhibitory deficiency in migraine. Cephalalgia, 2007, 27:833-9.

 

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